KURZKONZEPT

2022 jährt sich der Tod von Jusuf und Bardosh Gërvalla und von Kadri Zeka zum 40. Mal. Aus diesem Grund erinnert das internationale Festival UNTER DEM PFLUG DER ZEIT ein ganzes Jahr lang an das vielfältige Schaffen von Jusuf Gërvalla. Anhand 12 unterschiedlicher Formate und Schwerpunkte soll das Werk des Autors, Musikers, Übersetzers, Journalisten und politischen Aktivisten in seiner Breite und Tiefe neu beleuchtet werden. Geplant war, dass am 17. Tag eines jeden Monats (am 17. Januar 1982 wurde der Mordanschlag verübt) im Kosovo Veranstaltungen stattfinden sollen, die sich jeweils einem Thema seines unerschlossenen Werkes widmen. Insgesamt sollten 12 große Themenblöcke der Öffentlichkeit präsentiert. Neben internationalen Workshops, Kongressen und Symposien, zu denen nationale und internationale KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen eingeladen werden, entwirft 82 GËRVALLA 22 auch neuartige, interdisziplinäre Formate, die die Landschaft und den Lebensraum von Jusuf Gërvalla und die heutigen Bewohner*innen miteinbeziehen.
Die monatlichen Programmpunkte erstrecken sich über vier Jahreszeiten, die Gërvalla in seinem vielfältigen Opus different beschrieben hat, und thematisieren sowohl das Arbeitsleben der BewohnerInnen, als auch das politische Umfeld seiner und unserer heutigen Zeit.
Aufgrund der bisherigen Subventionszusagen (Stand Januar 2022) können folgende Veranstaltungen realisiert werden:

4 JAHRESZEITEN / 12 MONATE / HUNDERTE TEILNEHMER*INNEN

17. Jänner 2022:
Gërvallas Heimkehr Eröffnungsfestakt: Bei einem winterlichen Festakt werden Lieder und Texte von Gërvalla vorgetragen, und das „Todesauto“, der BMW-316 von Jusuf und Bardhosh Gërvalla und von Kadri Zeka, kehrt in den Kosovo heim, wo es auf einem kahlen, einem Hektar großen Feld zum Stehen kommt.
Das Feld wächst im Laufe des Jahres mit Mais zu, hält aber weiterhin einen schmalen, labyrinthischen Weg für BesucherInnen frei, durch den entlang sie das einsame, von Mais umwachsene Auto aufsuchen können, aus dem über das ganze Jahr hindurch Lieder und Texte von Jusuf Gërvalla erklingen.
Spielort / >>Location (Google-Maps)

17. Mai 2022:
Gërvalla-Übersetzen Internationaler Literatur-Workshop: Ausgehend von der englischen Übersetzung von Gedichten Gërvallas durch Jack Hirschman und Idlir Azizaj („A Mother´s Blessing“) veranstalten internationale und nationale Schriftsteller*innen, Übersetzer*innen und Studierende einen Workshop, der sich den Besonderheiten beim Über-Setzen von Gërvallas Texten in andere Länder, Sprachen und Zeiten widmet. Außerdem wird am Feld um den BMW-316 der Mais ausgesät.
Spielort: Gërvalla-Museum in Dubovik und ein Feld in der Nähe der Kulla Beqiraj

17. Juli 2022: Der grüne Storch
Sound- und Skulpturen-Landschaft: Nationale und internationale Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Student*innen werden eingeladen, um vor Ort Skulpturen und Landschaftsinstallationen zu kreieren, die entlang der Wege und Felder von Strellc bis Dubovik überdimensional groß aufgebaut werden. Die Skulpturen sind inspiriert von Gedichten Gërvallas, die die Tierwelt oder das bäuerliche Alltags- und Arbeitsleben beschreiben.
Dazu werden Komponist*innen eingeladen, eine Musik-Partitur für die Skulpturen-Landschaft zu erstellen, welche vor Ort uraufgeführt wird.
Spielort: Strellc, Dubovik und angrenzende Dörfer

17. Oktober 2022: Die Ernte
Konzert im Maisfeld: In einem Festakt wird der Mais um das Todesauto geerntet, während im Feld ein Konzert stattfindet.
Spielort: Strellc, Feld in der Nähe der Kulla der Familie Beqiraj

17. Dezember 2022:
Gërvalla Unplugged Konzert: Lieder- und Gesangsabend mit nationalen und internationalen Interpret*innen der veröffentlichten Lieder Jusuf Gërvallas, wobei die Gitarre, der Gesang und (iso-polyphonische) Chöre die Hauptinstrumente darstellen.
Spielort: Theater Peja am Jusuf-Gërvalla-Platz
Folgende Projekte können nach derzeitigem Stand (Januar 2022) nicht realisiert werden:

17. Februar 2022:
Gërvalla der Souffleur Internationales Theater-Symposium: Im Mittelpunkt des Symposiums stehen die Beziehung von Gërvalla, dem Dramatiker, Souffleur am Nationaltheater und Übersetzer internationaler Theaterstücke, zum Theater im Kosovo in den 1970er Jahren und mögliche Auswirkungen auf die heutige kosovarische Theaterlandschaft.
Spielort: Theater Peja am Jusuf-Gërvalla-Platz

17. März 2022:
Auf den Spuren von Gërvalla Feldforschung: Die Zuschauer*innen und Mitwirkenden begeben sich auf einen künstlerisch gestalteten Parcours, der den Spuren von Jusuf Gërvallas regelmäßigen Spaziergängen zwischen Strellc und Dubovik folgt, und bei dem Bewohner*innen der umliegenden Dörfer von ihren persönlichen Erinnerungen an die Familie Gërvalla berichten, die wiederum mit Erzählungen Gërvallas aus der Region Deçan ergänzt werden.
Spielort: Von Strellc über die Felder zum Gërvalla-Museum und -Grab nach Dubovik

17. Mai 2022: Der Prozess
Theater: Das einzige Theaterstück von Jusuf Gërvalla, Der Prozess, erlebt nach einer vor Ort und mit kosovarischen Schauspielerlnnen erarbeiteten Fassung seine Uraufführung in Deçan.
Spielort: Kulturhaus Jusuf Gërvalla in Deçan

17. Juni 2022: Lost Songs
Internationaler Musikwettbewerb: Mehr als 80 Lieder, die Gërvalla in seiner letzten Lebensphase geschrieben hat, sind mit seinem gewaltsamen Tod verschwunden. Welch unerhörte Sehnsüchte und Ängste gelangten durch ihr Verstummen dadurch nicht mehr an die Öffentlichkeit und an die Nachwelt?
Nationale und internationale Sänger*innen und Musikgruppen präsentieren bei einem öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb ihre Fragen zu bzw. ihre Antworten auf Gërvallas „Lost Songs“.
Spielort: Prishtina (genauer Ort wird noch angegeben)

17. August 2022: Das Haus und sein Fall
Internationaler Architektur-Workshop: Ausgehend von Gërvallas Gedichten und Texten über das (utopische) Heimat-Haus wird anhand eines architektonisch-babylonischen Umbaus in der Kulla der Familie Beqiraj und in einem angrenzenden, leerstehenden Haus die Beziehung von (albanisch-europäischem) Haus und (albanisch-europäischer) Schrift in einem internationalen Architektur-Workshop untersucht.
Spielort: Kulla in Strellc i Epërm, Gërvalla-Museum in Dubovik

17. September 2022: Neue Welt
Internationaler Journalismus-Kongress: Gërvalla war jahrelang als Journalist tätig. Um seinen in dieser Zeit entstandenen Texten und der Bedeutung der öffentlichen Medien, also der „4. Gewalt“ im Staat, Rechnung zu tragen, wird ein internationaler Journalist*innen-Kongress veranstaltet, der nach dem Vorbild der „Internazionale a Ferrara“ (Italien) stattfinden soll.
Spielort: Prishtina (ev. Nationalbibliothek, genauer Ort wird noch angegeben)

17. Oktober 2022: Heilige Zeichen
Poetry Slam: Was alles an Hoffnung, Utopie und Kritik wurde mit Gërvallas vernichteten und ungeschriebenen Gedichten und Texten begraben? Und welche Erwartungen und Begierden treiben die heutige Jugend Kosovos an? Eine Jury wählt die über einen Literaturwettbewerb eingereichten Texte aus, die in Form eines Poetry-Slams der Öffentlichkeit vorgestellt werden. An diesem Tag wird auch mit einem Festakt der Mais um den grünen BMW-316 von Jusuf Gërvalla geerntet.
Spielort: Strellc i Epërm, Gërvalla-Museum Dubovik

17. November 2022: Kunst vs Politik
Kolloquium und Oratoriums-Aufführung: Der Künstler Jusuf Gërvalla war auch Aktivist, der in der politischen Landschaft enorme Wellenbewegungen ausgelöst hat. Der strukturell vielleicht unmögliche Konnex von Kunst und Politik soll an diesem Abend durch ein Gespräch zwischen politischen Nachfolgern Gërvallas (z.B. die „Gruppe Jusuf Gërvalla“, oder der heutige kosovarische Premierminister, oder eine von Gërvallas Töchtern – die heutige kosovarische Außenministerin) und Künstler*innen, die sich auf die Ästhetik von Gërvallas poetischen Texten beziehen, ausgelotet werden.
Im Anschluss daran findet die Uraufführung eines Gërvalla-Oratoriums mit Jugendlichen, Schüler*innen und Kindern aus dem Kosovo statt.
Spielort: Theater Peja am Jusuf-Gërvalla-Platz